Zur 100jährigen Geschichte des SV Eintracht Afferde 06

Ein Spiegel unserer Zeit ist die Sportbewegung in Afferde, die jetzt am 31.März 2006 mit einem Festkommers ihr 100 jähriges Bestehen feiert, mit einer bewegten Vereinsgeschichte. 

Unter Afferder Dorfeichen fing alles an, Turnbrüder beschlossen einen Turnverein zu gründen. Die Gründung fand It. Protokoll am 06. Juni 1906 statt und zwar unter dem 1. Vorsitzenden Turnwart Bünger. Begeisterte Männer hatten sich bereit erklärt, sich im Ort turnerisch zu betätigen. Vorher wurde in den umliegenden Ortschaften mitgeturnt. Man gab sich den Vereinsnamen "Männerturnverein Germania Afferde ". Anschaffungen von Turngeräten waren damals sehr schwer und die ersten Geräte konnten nur durch Spenden angeschafft werden. Geturnt wurde auf dem Saal der Gastwirtschaft "Zur Krone". 

Nach dem ersten Weltkrieg konnte der Turnbetrieb sofort wieder aufgenommen werden. Im Jahre 1919 wurde mit 44:41 Stimmen ein neuer Turnverein gegründet, die Dorfgemeinschaft zerriss. Erst in den 30er Jahren vereinte man sich wieder. Hatte man sich vor dem Krieg der Deutschen Turnerschaft verbunden gefühlt, so wurde in einer der ersten Versammlungen am 13.Januar 1919 beschlossen, sich dem Arbeiter- Turn- und Sportbund anzugliedern. Der "Arbeiter- Turn- und Sportverein Afferde 1906"  war gegründet. Der Turnbetrieb wurde wieder aufgenommen, das Kinder und Frauenturnen wurde stark gefördert. Als 1. Vorsitzender fungierte damals lange Jahre Wilhelm Gereke. Die benötigten Gerätschaften konnten nur allmählich beschafft werden, da dass finanzielle Polster einfach nicht vorhanden war. 

Im Jahre 1925 kam es zur Gründung eines zweiten Turnvereins. Bei seiner Gründungsversammlung am 16. Juli 1925 waren 65 Anwesende erschienen. Dieser Verein nannte sich " Turnclub - Afferde " und schloss sich der Deutschen Turnerschaft an. Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm der Lehrer Fr. Köhne. Beide Vereine waren bestrebt, sportlich und gesellig miteinander auszukommen, obwohl schon zu dieser Zeit politische Gegensätze erkennbar waren. 

Die Gemeinde Afferde erwarb am so genannten "Schwarzen Weg" ein Wiesengelände und stellte es den beiden Vereinen als Sportgelände zur Verfügung. Gemeinsam wurde dieses 1931 von den Turnern ausgebaut. Schon damals ärgerte man sich über das Pumpenhaus, welches zu nahe am Spielfeldrand stand. Das Interesse nahm ständig am Sport zu. So wurden Leichtathletik und der Ball-Spielbetrieb aufgenommen. Die sportlichen Aktivitäten beider Vereine zu dieser Zeit bestand auf dem turnerischen Sektor. Die Sparte Feldhandball wurde bereits 1928/29 aufgestellt, gespielt wurde in Rohrsen, danach auf dem Sportplatz in Afferde. 

Viele ehrenamtliche Sportler stellten sich für die Vorstandsarbeit zur Verfügung. Um einige zu nennen: Fr. Köhne, W. Gereke, Fr. Queren, Fr. Tegtmeyer. Im Jahre 1933 wurde der Sportverein zwangsweise aufgelöst. Als im Jahr 1933 durch Regierungsbeschluss der Fortbestand nur eines Turnvereins innerhalb eines Ortes gestattet wurde, suchte man wieder nach Möglichkeiten eines Zusammenschlusses. Am 10. Dezember 1933 übergab der damalige Sportbeauftragte Marquart alle Geräte, die der freien Turnerschaft gehörten, dem " Turnclub Afferde ". und gab warnend den Rat, sich doch zu einem Sportverein zu vereinigen. Die Entrüstung bei der Turnerschaft war groß. Viele verließen den Verein. Doch war der Wunsch, ein gemeinsames Vereinsleben zu betreiben, größer als zuvor. Diese Gemeinsamkeit wurde 1934 beschlossen und gründete einen neuen Verein mit dem Namen " Turnclub-Germania Afferde von 1906 ". Die zu dieser Zeit bestehenden politischen Gliederungen erdrückten jeden freien Sport. 

Es brach der zweite Weltkrieg aus, viele Sportkameraden wurden eingezogen, der Turnbetrieb konnte nicht mehr durchgeführt werden. Nach Beendigung des Krieges hatte der Verein 42 Gefallende zu beklagen. Nach 1945 wurde jede Art von Vereinszusammenschlüssen verboten. Nur langsam trat eine Lockerung dieser Verordnung ein. Die Wahl von Vereinsvorständen bereitete - nicht nur hier in Afferde - erhebliche Schwierigkeiten. Die Voraussetzung für dieses Ehrenamt bestand darin, dass die Personen politisch unbescholten, mit Erfolg entnazifiziert oder sich sofort der Entnazifizierung stellen mussten. Diese Voraussetzungen erfüllten zur damaligen Zeit nicht viele Personen. Die älteren Afferder Turner fanden sich aber wieder zusammen und erreichten bei der Militärregierung den Fortbestand des Vereins. Die Verhandlungen führte damals Fritz Wörsching, der sich auch als 1. Vorsitzender vorerst zur Verfügung stellte. 

Nach dem Krieg nannte man sich " TSG-Afferde ", " Turn- und Sportgemeinschaft Afferde". Seine Vorsitzenden waren: Fr. Wörsching, 1947, H. Herr, 1950, Fr. Welsch, 1957, W. Mengersen. Der Turnbetrieb kam wieder in Schwung, die Mitgliederzahl wuchs rasch . Das Geräte- und Bodenturnen wurde weiterhin im Saal des Gasthauses " Zur Krone " durchgeführt, ebenso Schauturnen der Turner, .Turnerinnen und Kinder wurde veranstaltet. 

In den oben genannten Jahren zog es die Jugend zum rollenden Leder und in den folgenden Jahren zeigte sich die Anziehungskraft des Fußballs. So kam es, dass eine Fußballsparte innerhalb des Vereins gegründet wurde. Diese Sparte wurde aber nur halbherzig geführt. Mangelndes Interesse des Vorstandes, fehlende Unterstützung - so die Aussage der Fußballsparte - führte dazu, dass man nach neuen Wegen suchte. Und dieser Weg wurde mit Ludwig Freise und Aloisius Schellberg gefunden, eine Patentlösung - ein neuer Verein: Jetzt galt es Einigkeit zu schaffen mit dem 1. Vorsitzenden des TSG-Afferde. Die Einigkeit wurde geschaffen zum Wohle der Jugend. Am 14. Juni 1949 wurde der Antrag  zur Aufnahme in den Niedersächsischen Fußball - Verband Kreis Hameln-Pyrmont- gestellt. Bis zum 25. September 1952 blieb man weiterhin als Sparte im "TSG-Afferde" und absolvierte schon Pflichtspiele in der Spielzeit 1949/50.

Einen Auftrieb der Fußballsparte gab es dann, als sich die Sparte am 25. September 1952 verselbständigte unter seinem 1. Vorsitzenden Rudi Helms und seinem Vize H. Schön. Somit gab es wieder zwei Vereine mit dem " FSV Fußball-Sport-Verein Afferde " in unserer Ortschaft. Die Taufe fand in der Gastwirtschaft "Zur Krone" statt. Es folgten als Vorsitzende: Hans Lück, Walter Werner, Aloisius Schellberg und Hans-Wilhelm Kipp. Beide Vereine waren in den folgenden Jahren solidarisch, beide hatten nicht die idealen Übungsstätten und der gemeinsame Wunsch nach einer Sporthalle wurde immer wieder gefordert. 

Im Jahr 1967 entschloss sich die Gemeinde zum Bau einer Turn- und Sporthalle und allmählich nahm der Gedanke eines Zusammenschlusses beider Vereine Formen an. Nach mehreren Gesprächen der jeweiligen Vorstände einigte man sich in beiderseitigem Einvernehmen und brachte dieses der Versammlung zum Vorschlag, dem Verein in Zukunft den Namen: "SV Eintracht Afferde von 1906 e.V. "zu geben. Dieser Antrag wurde am 10. Januar 1969 von der Versammlung angenommen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Willi Mengersen gewählt. Durch den Bau der Sporthalle nahm die Mitgliederzahl gewaltig zu. Die Turner, Handballer und Tischtenniskameraden konnten sich nun in der Halle tummeln. Die Fußballer spielten weiterhin auf dem Platz "Am Schwarzen Weg" und bauten nach und nach das alte Pumpenhaus zu einem kleinen Heim für sich aus. Für die Turner war der Hallenneubau eine ideale Ergänzung. Am 16. Januar 1971 trat überraschend der 1. Vorsitzende Willi Mengersen seinen Rücktritt an. Der Sportkamerad Fritz Buschmann übernahm nach seiner Wahl zum 1. Vors. die Geschicke des Vereins. Dieser nahm das Amt an mit den Worten: "Was in meinen Kräften steht, leiste ich für den Verein". Er war am Aufbau des Kinderturnen stark interessiert und bildete mit anerkannten Übungsleitern Fördergruppen aus. Dies fand allgemein großen Zuspruch in der Bevölkerung. Fritz Buschmann legte aus gesundheitlichen Gründen nach acht Jahren am 25. Januar 1979 sein Amt in jüngere Hände; dies war sehr bedauerlich. Die Versammlung schlug unter anderem den seit dem 9.Februar 1972 amtierenden Schriftführer Hartmund Ziepke zum 1. Vorsitzenden vor, der diese Wahl am 25. Januar 1979 annahm. 

Die Verwaltungs- und Gebietsreform 1972 brachte dann auch für den Verein Veränderungen mit sich. Hatte man sich schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, das kleine Heim am so genannten "Schwarzen Weg" zu erweitern, so wurde das Sportgelände in ein Gewerbegebiet umgewandelt und eine neue Sportanlage an der Schule geplant. Es gab viele Aussprachen mit der Stadtverwaltung, dem örtlichen Ortsrat über deren Planungsabsichten. 

Die heimische Presse mischte sich ein und man musste sich immer wieder rechtfertigen, warum wir den Standort des alten Sportplatzes nicht aufgeben wollten. Die örtlichen Parteien waren unterschiedlicher Meinung. Die Debatte wurde kontrovers geführt. Zeitungsberichte geben in aller Deutlichkeit die "scharfen" Auseinandersetzungen der einzelnen Parteien wieder. Der Vereinsvorstand geriet mächtig unter Druck, konnte diesen aber von seinen Mitgliedern fernhalten. Es ging in erster Linie um die Eigenständigkeit des Vereins, darum sollte gekämpft werden. Aber kurzfristig stellte die Stadt Hameln einen Flächennutzungsplan auf und führte das Gelände an der Fluthamelstraße industriellen Zwecken zu. Damit war der Erweiterungsbau des alten Heimes gestorben, das Sportgelände im Bereich der Schule nahm Formen an. 

Die städtischen Planungen gingen an dem Verein vorbei und der Vorstand musste kurzfristig eine Lösung finden, um auch seine Pläne darlegen zu können. Endlich am 11. Januar 1980 stimmte die Versammlung dem Bau eines Sportheimes auf dem Gelände an der Schule zu. Der Architekt Ulrich Wienkoop wurde mit den Planungen beauftragt, die Ausschreibung für die Gewerke erfolgte und am 3. Mai 1980 wurde der erste Spatenstich getan. Die Beton- und Maurerarbeiten wurden der Firma Werner Kursawe übertragen, ebenfalls Mitglied des Vereins. Die Kosten des Baues sollten sich ursprünglich auf 620.000,- DM belaufen, es fielen aber erheblich höhere Summen an. Auf die vielfältigen Probleme die auf den Vorstand zu kamen, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Aber es wurde geschafft; mit tatkräftiger Mithilfe der Mitglieder, die in dieser Bauphase 8.136 Stunden Eigenleistung erbrachten und somit zur Finanzierung 198.087,- DM beitrugen. Die Endsumme gab unser Schatzmeister Hans-Wilhelm Kipp mit 898.613,- DM an. Eine gigantische Summe, die nur durch ehrenamtliche Arbeit der Sportkameraden geschafft werden konnte. Die Einweihung des Heimes erfolgte am 3. Juni 1981. 

Jetzt waren ein Hart- und ein Rasenplatz vorhanden, eine Vereinsgastronomie und reichlich Kabinen, Duschen und Toiletten. Das angrenzende Freizeitheim welches von der Stadt zeitgleich gebaut wurde, steht auch den örtlichen Vereinen zur Verfügung. Ursprünglich beabsichtigte der Verein unter dem Freizeitheim vier Kegelbahnen zu bauen, dies aber hat die Stadt dem Verein nicht mehr zugetraut. Heute wäre dieses schon vergessen. 

Am 6. Juni 1986, an unserem 80.Gründungstag, wurde im Freizeitheim eine musikalische Veranstaltung geboten. Getanzt wurde bis in den frühen Morgen mit der Band "Maria & Crazy Birds". Im Außenbereich wurde mit den Kindern geturnt, eine Hüpfburg und Ponyreiten, Kaffee und Kuchen, sowie Getränke und Würstchen bereitgestellt. 

Am 16. Februar 1987 übernahm Günter Freise den Vorsitz des Vereins, im gleichen Jahr wurde die umgebaute und erweiterte Sporthalle seiner Bestimmung übergeben. Nun hatten die Handballer, Tischtennis, Turner, ballspielende-Sparten reichlich Platz. Aufgrund dieser Halle ging die Mitgliederzahl unaufhörlich nach oben. Eine ausfahrbare Tribüne für ca. 450 Personen war vorhanden. 

Auch waren wieder Sportkameraden zu neuen Taten bereit. Beabsichtigte man doch eine Tennissparte zu gründen, dieses geschah dann am 15.Mai 1992. Diese Idee wurde von G. Freise, Manfred Frick, Dieter König und Uwe Hupe vorangetrieben. Nach mehreren Gesprächen mit der Verwaltung der Stadt und dem Ortsrat wurde dem Verein ein Grundstück auf dem Sportgelände zur Verfügung gestellt. 

Nachdem Günter Freise seinen Vorsitz am 5. März 1993 abgab, wurde nach einer kurzen Vakanz der Sportkamerad Reiner Röhricht zum Vorsitzenden gewählt. 

Der Hartplatz konnte durch einen Kunstrasenplatz ersetzt werden, dieser wurde zu einem späteren Zeitpunkt nochmals erneuert, da er nicht mehr bespielbar war. 

Im September 1995 wurde dann endlich die Tennisanlage eingeweiht. Mit vier Tennisfeldern ist die Anlage für den Betrieb optimal gebaut worden. Auch hier zeigten die Sportkameraden Manfred Frick, Dieter König und Uwe Hupe bei den Eigenleistungen Vorbildfunktion, Ausdauer und Fleiß brachten den erhofften Erfolg. 

Die "Sportvereinigung Eintracht Afferde 06 e.V. " mit seinem 1.Vorsitzenden Reiner Röhricht ist ein Verein mit ca. 1.000 Mitgliedern, der drittgrößter Verein in Hameln. Es werden 12 Sparten in Afferde angeboten, die von den Mitgliedern in Anspruch genommen werden können, ein gewaltiges Potenzial an Sportangeboten. 

Der 6.Juni 1906 ist der Gründungstag des Vereins und am 3.Juni 1981 wurde das Vereinsheim eingeweiht. Ein 100 jähriges Bestehen und 25 Jahre Vereinsheim, eine stolze Bilanz. Mögen sich viele ehrenamtliche Mitglieder zur Verfügung stellen und den Verein unterstützen. Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass jemand durch Zahlung seines Beitrages, den Anspruch auf optimale sportliche Betreuung erkauft. Der Begriff Ehrenamtlichkeit hat an sich etwas mit Menschlichkeit und Wärme zu tun, deshalb auch keine Aufrechnungen an der einen oder anderen Stelle. Die Mitglieder sollten sich alle besinnen, gemeinsam den Weg zum Wohle des Vereins  zu gehen, zum Dank an unsere Vorgänger, so dass wir unser 100 jähriges Bestehen am 31.März 2006 erfolgreich feiern können.

Januar 2006   Hartmund Ziepke